ANEIGNUNG UND POLEMIK
 

Paul Deussen (* 7. Januar 1845 im Westerwalddorf Oberdreis; † 6. Juli 1919 in Kiel) war ein deutscher Philosophie-Historiker und Indologe. Überdies war er Gründer der Schopenhauer-Gesellschaft und lebenslanger Freund von Friedrich Nietzsche. Deussen, der mit dem indischen Philosophen und Hindu-Heiligen Vivekananda bekannt wurde, gilt als erster westlicher Gelehrter, der das indische Denken der abendländischen Philosophie gleichwertig an die Seite stellte.

Aufgewachsen als Westerwälder Pfarrerssohn, besuchte Deussen fünf Jahre gemeinsam mit Nietzsche das humanistische Elite-Internat Schulpforta bei Naumburg. Nach dem Abitur 1864 studierten sie zwei Semester in Bonn. Hier entdeckte Deussen das Sanskrit. Während Nietzsche nach Leipzig wechselte, setzte Deussen sein Studium der klassischen Philologie in Tübingen und Berlin fort. Nach seiner Promotion über den Plato-Dialog Sophistes war er als Gymnasiallehrer in Minden und Marburg tätig. Nietzsche, der ihn inzwischen zu Schopenhauer bekehrt hatte, vermittelte ihm eine gutdotierte Hauslehrerstelle bei einem russischen Industriellen in Genf, wo er gleichzeitig als Privatdozent an der dortigen Universität philosophische Vorlesungen hielt und das Sanskrit-Studium begründete.

Da sein Zögling Ingenieur werden sollte, ging Deussen mit ihm nach Aachen. Hier hielt er am Polytechnikum Vorlesungen über die Philosophie Schopenhauers, was ihm Protestartikel der reaktionären Zeitung "Echo der Gegenwart" und heftige Kritik im Preußischen Landtag einbrachte. Das zuständige Handelsministerium machte ihm zur Auflage, philosophiegeschichtlich sich auf die Entwicklung von Platon bis Kant zu beschränken. Deussen verzichtete daraufhin auf das "unchristliche" indische Gedankengut Schopenhauers, nicht aber auf eine Darstellung der Vorsokratiker. Zu Hunderten strömten die Zuhörer in seine Vorlesungen, deren schriftliche Resümees er verteilen ließ und 1877 als Buch herausgab. Die "Elemente der Metaphysik" wurden später in ganz Deutschland zu einem vielbenutzten Lehrwerk.

Nach einer weiteren Hauslehrerstelle bei einem Fürsten in der Ukraine habilitierte sich Deussen in Berlin mit dem indologischen Werk "Das System des Vedanta". Mit Nietzsche blieb er in brieflichem Kontakt; zu persönlichem Wiedersehen kam es mehrfach in Basel und 1887 in Sils-Maria, wo Deussen ihn in Begleitung seiner jungen Frau Marie (geb. Volkmar) aufsuchte. Deussen war auch einer der wenigen Getreuen, die dem seit 1889 geistig umnachteten Nietzsche in Naumburg Krankenbesuche abstatteten. Im selben Jahr wurde Deussen als ordentlicher Professor nach Kiel berufen, wo er begann, seinen Lebensplan einer "Allgemeinen Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Religionen" in die Tat umzusetzen. Deussens Reisebericht Erinnerungen an Indien (1904)

1892/93 unternahm Deussen mit seiner Frau eine halbjährige Reise nach Indien. In Bombay hielt er eine für den erwachenden Neo-Hinduismus bedeutsame Rede über den Advaita-Vedanta und sein Verhältnis zur westlichen Metaphysik. In den Folgejahren arbeitete Deussen an seiner monumentalen Übersetzung von "Sechzig Upanishad's des Veda", die 1897 erschien und bis heute als Standardwerk gilt.

1911 gründete er die Schopenhauer-Gesellschaft und begann im gleichen Jahr mit der Herausgabe einer ersten historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke Schopenhauers.

Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat er vehement verurteilt. Deussen ließ sich leiten von der philosophischen Grundüberzeugung, daß "in allen Ländern und zu allen Zeiten, in allen Nähen und Fernen es eine und dieselbe Natur der Dinge (ist), welcher ein und derselbe Geist betrachtend gegenübersteht. Wie sollte es da anders sein können, als daß der denkende Geist, sofern ihn nicht Traditionen und Vorurteile blenden, sofern er der Natur rein und unbefangen gegenübersteht, in seiner Erforschung derselben überall, in Indien wie in Griechenland, in alter wie in neuer Zeit zu den gleichen Ergebnissen gelangen müßte."

Die Grabstätte Paul Deussens befindet sich auf dem Kirchhügel neben der evangelischen Kirche von Oberdreis.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Deussen


Zu Arnold Bauer scheibt Andreas Pretzel in seinem Buch "NS-Opfer unter Vorbehalt: homosexuelle Männer in Berlin nach 1945":

"Gelegentlicher Besucher der literarischen Nachkriegsabende bei Richard Schultz war auch der Schriftsteller Arnold Bauer (geb. 1910), der während der NS-Zeit zum politischen Widerstandskreis um Schulze-Boysen gehörte, mehrfach von der Gestapo verhaftet und von der Justiz zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Während der Weimarer Republik hatte er Kontakt zu Klaus Mann und Ludwig Renn, zum Adolf-Brand-Kreis, etwa zu Bruno Balz und Bruno Vogel, auch zu den Hirschfeld-Mitstreitern Kurt Hiller und Richard Linsert.
1947 trat Arnold Bauer mit dem Roman "Kindheit im Zwielicht" - einem "ahnungsvollen" Roman um eine Jungenfreundschaft - erstmals literarisch an die Öffentlichkeit. Bekannt gemacht hatte ihn seine 1946 veröffentlichte Schrift "Thomas Mann und die Krise der bürgerlichen Kultur". In seiner Essaysammlung suchte er Dichtung und zeitkritische Schriften Thomas Manns für ein neues demokratisches Deutschland fruchtbar zu machen, und das hieß für Bauer auch im Kampf gegen das "Alte, aus dem es sich widerstrebend löst."


Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 in Danzig † 1860 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer. Er war der Sohn der Schriftstellerin und Salonière Johanna Schopenhauer und Bruder der Schriftstellerin Adele Schopenhauer.

Schopenhauer entwarf eine Lehre, die gleichermaßen Ethik, Metaphysik und Ästhetik umfasst. Er sah sich selbst als Nachfolger Immanuel Kants, dessen Philosophie er als Vorbereitung seiner eigenen Lehre auffasste. Weitere Anregungen bezog er aus der Ideenlehre Platons und Vorstellungen östlicher Philosophien. Innerhalb der Philosophie des 19. Jahrhunderts entwickelte er eine eigene Position des Subjektiven Idealismus und vertrat als einer der ersten Philosophen im deutschsprachigen Raum die Überzeugung, dass der Welt ein unvernünftiges Prinzip zugrunde liegt. (Quelle: wikipedia)


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